Dreimal in Folge Motocross-Weltmeister, als Erster der Welt. Sein Motorrad kam aus Strakonice, nicht aus Zschopau.
Paul Friedrichs. Manche kennen vielleicht seinen Namen.
Neue Zeit, 13. September 1986, Seite 10. Ein Text über die tschechoslowakische Motorradfabrik ČZ. Mittendrin, in einer langen Reihe internationaler Spitzenfahrer, steht einfach nur: „Friedrichs“. Kein Vorname. Kein Titel. Kein Wort dazu, wo er herkam.
Dabei war er ČZ-Werksfahrer und holte 1966, 1967 und 1968 den WM-Titel in der 500er-Klasse, der Königsklasse des Motocross. Vor ihm hatte das noch keiner dreimal hintereinander geschafft. Und er war der erste Weltmeister dieser Klasse aus dem Ostblock, auf einem leichten Zweitakter gegen die schweren Viertakter, vor allem aus England.
Gelernter Traktorenschlosser aus Mecklenburg, zu Hause in Erfurt. Seine WM-Läufe fuhr er auch vor unserer Haustür: 1966 gewann er in Gumpelstadt beide Läufe, 1968 siegte er in Apolda.
Im Sommer 1968 dann England. Die DDR-Sportler mussten ihr Visum in Westberlin beantragen. Sein Trainer Heinz Ramsch erinnerte sich später: Die Maschinen waren von Strakonice aus längst nach England unterwegs. Freitagnachmittag um 16 Uhr kamen endlich die Visa. Da war der letzte Flieger weg. Sie fuhren noch am Abend nach Prag. Auch am Samstag: kein Flug.
Den Lauf gewann ein anderer. Friedrichs holte den Rückstand in den Wochen danach auf: mit gebrochenem Schlüsselbein, mit einer Erkältung, einmal krachte er gegen einen Baum. Am Saisonende war er trotzdem Weltmeister, mit einem einzigen Punkt Vorsprung.
Ein gelernter Traktorenschlosser aus Mecklenburg, dreimal Weltmeister der Königsklasse, auf einem Motorrad aus dem Bruderland.
Wart ihr mal bei einem WM-Lauf in Gumpelstadt, Apolda oder Teutschenthal dabei? Oder kanntet ihr ihn nur aus der Zeitung?
Bild zur Veranschaulichung des Textes wurde mit technologischen Mitteln künstlich erstellt. (KI-generiert)
