Mein arktischer Sommer – Feuilleton-Artikel
Wer so beginnt, schreibt kein Heldenbuch. Der Thüringer Vogelkundler Hans Münch fährt 1959 allein und auf eigene Kosten ins Nordpolarmeer und kommt mit einem Buch zurück, in dem NATO-Bürger und DDR-Bürger Wohnhäuser, Proviant und Boote teilen, ohne dass irgendjemand ein Wort darüber verliert. Wie konnte das durchgehen?
Worum geht es?
Der Feuilletonartikel widmet sich Hans Münchs „Mein arktischer Sommer“, erschienen 1970 in zweiter Auflage im Greifenverlag zu Rudolstadt — einem der begehrtesten Bildbände der DDR-Reiseliteratur. Der Essay liest das Buch nicht als Polarabenteuer, sondern als kulturhistorisches Dokument: Wie schreibt ein DDR-Wissenschaftler in einem staatlich genehmigten Verlagswerk freundlich von Norwegern, Engländern und Australiern? Wie überlebt eine antiheroische, fast biblisch verdichtete Sprache die Lizenznummer 384-220/23/70? Und was bedeutet es, wenn der erste Telegrammdienst aus Tromsö nicht der Familie gilt, sondern dem Salat im Schwester-Garten?
Behandelte Themen
- Die Lizenznummer 384-220/23/70 und die Bückware-Ökonomie ostdeutscher Bildbände
- Hans Münch als Feldornithologe: das Lebenswerk in den Wäldern um Lauscha und die einzige große Ausnahme namens Spitzbergen
- Der ausgehandelte Kompromiss: das Walross-Massaker-Kapitel als ideologischer Tribut für den freien Rest des Buches
- Die Begegnung mit dem Eisbären — „wie vergoldet“ im flach einfallenden Licht der Mitternachtssonne
- Vertrauensbildung am Strandläufer-Nest: Eheringe, Mitternachtssonne, ein knabbernder Vogel
- Ost- und Westagfa, durchmischt in einer Kameratasche zwischen den Vogelbergen
- Die Verwechslungsgefahr im Netz: warum „Hans Münch“ heute fast nur SS-Treffer liefert
Formale Angaben
- Umfang: ca. 2.040 Wörter / 7 Seiten (A4)
- Format: PDF, druckfähig gesetzt (mit Buchabbildung)
- Sprache: Deutsch
- Reihe: Feuilleton · ddrbuch.de
- Behandeltes Werk: Hans Münch, „Mein arktischer Sommer. Ein Zoologe auf Spitzbergen-Expedition“ (Greifenverlag zu Rudolstadt, 2. Auflage 1970)
Für wen?
Für Leserinnen und Leser, die DDR-Sachbücher nicht als Nostalgie konsumieren, sondern als Zeitdokumente lesen wollen — Sammler ostdeutscher Reiseliteratur, Ornithologie- und Polarliteratur-Liebhaber, und alle, die wissen wollen, wie unter staatlicher Druckgenehmigung Bücher entstehen konnten, in denen mehr steht als das, was hineingeschrieben werden durfte.