Kein Ort. Nirgends – von Christa Wolf

Du betrachtest gerade Kein Ort. Nirgends – von Christa Wolf

Kein Ort. Nirgends – von Christa Wolf

Christa Wolfs Erzählung beschreibt einen einzigen Junitag des Jahres 1804. Ein Haus am Rhein, eine Teegesellschaft, ein Abendspaziergang. Zwei Menschen, die sich an dem Tag nie wirklich in den Raum stellen, sondern an die Fenster halten: Heinrich von Kleist, sechsundzwanzig, gerade aus psychiatrischer Behandlung entlassen, und Karoline von Günderrode, dreiundzwanzig, Stiftsdame und Dichterin, mit einem Dolch im Pompadour.

Das Treffen hat nie stattgefunden. Wolf sagt es im ersten Satz und nennt es „erwünschte Legende“. Was sie schreibt, ist kein historischer Roman. Es ist eine Konstellation, die hätte stattfinden können, in der etwas geschieht, was das wirkliche Leben den beiden nie zugestanden hat.


Auszüge aus dem Feuilleton-Artikel:

FEUILLETON

Kein Ort, nirgends

Christa Wolf: „Kein Ort. Nirgends“. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1979

Juni 1804, Winkel am Rhein, Haus des Kaufmanns Joseph Merten. Eine Teegesellschaft. Cremefarbene Wände, ein silberblauer Sitzbezug, Sonnenlicht durch vier Südwestfenster. In der Mitte des Raumes stehen sie nicht: zwei junge Menschen, die niemand wirklich kennt, halten sich an die Fenster. Sie werden den Nachmittag miteinander verbringen. Sie werden sich nie wiedersehen. Sie haben sich nie gesehen. Christa Wolf hat das Treffen erfunden, 175 Jahre später, in einer DDR, die nicht mehr lange existieren wird.

Der gesamte Artikel ist jetzt als PDF-Download verfügbar:

Schreibe einen Kommentar