Wie konfrontiert man Kinder mit den Wahrheiten des Lebens, die grausam sind, aber eben dazugehören? Man erzählt eine kindgerechte Geschichte als Fabel. Diesen Weg wählten Carola und Thomas Nicolaou. Eine Unterwassergeschichte der Fische und die gemeinsame Reise des Jungen Nicos mit ihnen erzählen vom Kampf der Gerechten gegen das Böse, von Tyrannei, Solidarität und verlustreichen Siegen. Weit entfernt von heiler Welt, hilft die Natur dem kleinen Nikos, das Verschwinden seines Vaters zu ertragen.
Wo der Riesenkrake wohnt
Carola und Thomas Nicolaous „Nicos und der Mondfisch“, 1972 erschienen im Kinderbuchverlag Berlin
Manche Kinderbücher beschreiben politische Verhältnisse genauer als Erwachsenenromane. Vielleicht weil sie es müssen. Wer einem Achtjährigen erklären will, warum sein Vater nicht heimgekehrt ist, kommt mit Abstraktion nicht weit; er braucht Bilder. Einen Riesenkraken auf dem Meeresgrund. Einen kleinen Fisch in einer austrocknenden Pfütze, den ein Junge rettet und der ihm dafür die Welt zeigt. „Nicos und der Mondfisch“ von Carola und Thomas Nicolaou, 1972 im Kinderbuchverlag Berlin erschienen, hat diese Bilder gefunden. Es ist ein schmaler Band aus der Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“, im Zweifarbendruck Schwarz und Zyanblau, ab sieben Jahren empfohlen. Und er enthält eine der ungewöhnlichsten Diktatur-Allegorien, die mir in einem Kinderbuch untergekommen sind.
Das Objekt
Wer das Buch in die Hand nimmt, hält ein typisches Trompeterbuch: kleines Format, fester Pappband, Fadenheftung, etwas über sechzig Seiten. Auf dem Cover prangt der Mondfisch in vollen Farben, eine seltene Ausnahme zum sonst auf Schwarz und Blau reduzierten Innenteil. Der Junge sitzt auf dem schillernden Fischrücken, hinter ihm eine weiße Aureole wie ein Lichtkreis aus dem Wasser. Auf der Rückseite, gedruckt auf dasselbe kräftige DDR-Blau, steht der Klappentext, und ganz unten der EVP: 1,75 M.
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