Mein arktischer Sommer – von Hans Münch

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Mein arktischer Sommer – von Hans Münch

Dieses Buch ist extrem und auf jeden Fall unalltäglich. Waren Fernreisen für einen DDR-Bürger sowieso schon nahezu unerreichbar, geht es hier noch obendrauf in eine sehr unwirtliche, unpopuläre Gegend: An den Rand der Arktis auf der Bäreninsel und Spitzbergen. Der Ornithologe und Zoologe Hans Münch beschreibt hautnah, wie die rauen klimatischen Bedingungen den Menschen herausfordern und ihn bis zur Belastungsgrenze prüfen. Der Polartag bringt den Biorhythmus des Menschen durcheinander. Harte körperliche und Seelische Strapazen werden aber immer wieder mit einzigartigen Naturbeobachtungen und exklusiven Momenten zwischen Mensch und Tier belohnt. Selbst heute sind die Schilderungen noch eindrucksvoll und wertvoll – von einer Gegen, zu der die meiste von uns niemals hinkommen werden!


Der bewusstlose Forscher und sein Vogel

Hans Münchs „Mein arktischer Sommer“ (1970), gelesen heute

Zehn Minuten lang lag der Mann bewusstlos im arktischen Geröll, irgendwo auf der Bäreninsel zwischen 74. und 75. Breitengrad. Ein kantiger Stein hatte sich durch die Hose ins Knie gebohrt. Als er die Augen wieder öffnete, ruhte seine rechte Hand einen halben Meter vor einem brütenden Meerstrandläufer, der ihn aus dunklen Augen ruhig anblickte. Sein erster Gedanke galt dem Vogel.

„Vielleicht ist er meinetwegen schon zu lange fort und die Eier sind ausgekühlt?!“ Wer so beginnt, schreibt kein Heldenbuch.

Ein Prestigeobjekt mit Lizenznummer

Im Frühjahr 1970 erschien im Greifenverlag zu Rudolstadt die zweite Auflage von „Mein arktischer Sommer“, einem Buch, das schon bei seinem ersten Erscheinen 1967 zu den begehrtesten Bänden der DDR-Reiseliteratur gehörte. 282 Seiten stark, mit 62 Farbaufnahmen und 5 Kartenskizzen des Verfassers. Bildbände dieser Ausstattung waren in der DDR Bückware. Wer das Buch ergattern konnte, hatte Beziehungen oder Glück.

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Ein Thüringer auf 74° Nord Hans Münch, geboren 1914 am Südhang des Thüringer Waldes, war kein Reiseschriftsteller. Er war ein Feldornithologe, dessen Lebenswerk in den Wäldern um Lauscha und Ernstthal am Rennsteig stattfand.


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