Mein arktischer Sommer – Feuilleton-Artikel

Zehn Minuten lang lag der Mann bewusstlos im arktischen Geröll der Bäreninsel. Als er die Augen wieder öffnete, ruhte seine rechte Hand einen halben Meter vor einem brütenden Meerstrandläufer. Sein erster Gedanke galt dem Vogel. Hans Münchs „Mein arktischer Sommer“ (1970) — ein DDR-Reisebuch, das unter dem Radar der Zensur vom Kollegialen erzählte, wo das Heroische erwartet wurde.

1,99€
Inklusive 7% Steuer

Schweigegeld von Kurt Türke – Feuilletonartikel

Das Wort im Titel
Bei einem Krimi fragt man zuerst nach dem Mörder. Bei Türkes Buch sollte man zuerst nach dem Wort auf dem Schutzumschlag fragen. Schweigegeld. In den Krimi-Konventionen der fünfziger Jahre meinte das den erpresserischen Geldsack im dunklen Hauseingang. Bei Türke meint es etwas anderes.
Auf Seite zweiundzwanzig wird ausgesprochen, was im ganzen Buch verhandelt wird. Onkel Theodor Fahl aus Lüneburg, der westdeutsche Verwandte, vertritt nach dem Tod seines Bruders die Meinung, „daß man noch einmal versuchen müsse, die Hausmann durch ein Schweigegeld abzufinden, nötigenfalls durch eine größere Summe als der bereits angebotenen, damit die Vaterschaft Armins um keinen Preis gerichtsoffenbar werde.“ Schweigegeld ist die Summe, mit der die Familie des Gutsbesitzersohns Armin Fahl die geschwängerte Landarbeiterin Annelies Hausmann zum Schweigen bringen will. Eine private Summe, kein krimineller Begriff. Ein Wort, das in jedem Gutshaus zwischen Schlesien und Sachsen seit Generationen funktionierte. Bis in einer bestimmten Nacht des Jahres 1953/54 in einem bestimmten Dorf eine Mutter zu ihrer Tochter sagt: „Ein Kind ist kein Unglück, heute nicht mehr.“

1,99€
Inklusive 7% Steuer