Dieses Kinderbuch wird vor allem durch seine Illustrationen getragen – einfach gesagt: Es ist wunderschön. Die Zeichnungen sind zwar einerseits sehr bunt, aber nicht kitschig sondern botanisch korrekt und natürlich. Die Seiten sind durchgängig bebildert, und das farbig. Die Texte sind kurz, dennoch wird dem kindlichen Leser höheres Wissen und auch Fachbegriffe zugemutet. Man merkt, dass hier eher Ratgeber-Fachleute am Werk waren, und keine reinen Kinderbuchautorinnen. Ein echter Augenschmaus der zur Frühlingszeit passt!
Auszüge aus dem Feuilleton-Artikel:
FEUILLETON
Ein Pflanzenatlas, der Kinder für voll nimmt
Elisabeth Mankes „Alle meine Pflanzen“, illustriert von Ruth Fritzsche – erschienen 1985 ausgerechnet im Verlag für die Frau
Auf Seite 9 schneidet eine Hand mit einem kleinen Messer einen Steckling vom Gummibaum. Die Klinge sitzt exakt unter dem Blattknoten, die Blattnervatur ist so genau getroffen, dass man sie nachzeichnen könnte. Es ist die Hand eines Kindes – und doch behandelt dieses Bild sein Gegenüber wie einen angehenden Botaniker. Wer „Alle meine Pflanzen“ aufschlägt, merkt nach wenigen Seiten: Hier wird niemand für dumm verkauft.
Das Buch, 1985 in erster Auflage im Leipziger Verlag für die Frau erschienen, trägt den Untertitel „Gartenbuch für Kinder“ und umfasst 152 quadratische Seiten in einem festen, glanzfolierten Pappband. Vier Kapitel führen vom Fensterbrett bis in den Garten: „Meine Pflanzen im Zimmer“, „Rund um den Balkon“, „Die Gartenecke“ und schließlich „Allerlei Tips, Basteleien und Schmückendes aus Pflanzen“. Die Dramaturgie folgt einem Jahres- und Lebenskreis: aus einem Steckling wird eine Pflanze, aus der Pflanze ein Beet, aus der Ernte ein Geschenk. Empfohlen wird das Buch ab neun Jahren – eine Altersangabe, die es ernster meint, als man zunächst denkt. Der Aufbau ist dabei kein bloßes Aneinanderreihen von Steckbriefen, auch wenn das erste Kapitel mit ebensolchen „Steckbriefen besonders beliebter Zimmerpflanzen“ arbeitet – Gummibaum, Grünlilie, Usambaraveilchen, Fleißiges Lieschen, dazu eine kleine Kakteensammlung für Anfänger und ein Exkurs in die Hydrokultur. Spätestens im letzten Kapitel verschiebt sich der Charakter vom Ratgeber zur Werkstatt: Schnittblumen länger frisch halten, Trockensträuße binden, ein Herbarium und eine Samensammlung anlegen, zu Weihnachten eine Apfelpyramide oder ein Kalenderbäumchen basteln. Das Buch will nicht, dass man es liest, sondern dass man danach etwas tut – ein Anspruch, der die DDR-Prägung des polytechnischen Lernens unverkennbar in sich trägt.
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