Ein wunderbar heiteres und lustiges Buch, dass einen für Augenblicke einmal die Alltagssorgen vergessen lässt. Selbst für erwachsene eine geniale Erfahrung. Die Ideen von Liesl sind so verrückt, aber gleichzeitig auch kindgerecht. Nebenbei schafft sie es noch einiges an Wissen über die RSFSR zu vermitteln. Das alles wäre nicht möglich ohne die wunderbaren Illustrationen von, welche die kindliche Leichtigkeit perfekt einfangen. Das Buch lebt davon! Durch die Analyse habe ich einiges über die Familie Klemke gelernt. Und ich habe gestaunt, dass sich der Strich von Werner Klemke an seine Tochter vererbt hat, tatsächlich deutliche Ähnlichkeiten erkennbar sind! Weiter staunte ich auch, dass es vom Naseweis eine ganze umfangreiche Serie gibt!
FEUILLETON
Eine Puppe reist nach Bilibino
Zu Liesl Richters und Christine Klemkes „Naseweis sucht Himbeereis“, Verlag Junge Welt 1983
Es ist ein heißer Freitag, irgendwo zwischen Sommer und Herbst, und im Spielzeugschrank eines Erstklässlers namens Fridolin sitzt eine blonde Puppe mit Schlenkerbeinen und überlegt, was sie tun soll, wenn die Hitze sie plagt. Baden oder Himbeereis essen, beides hat Fridolin streng verboten. Naseweis, so heißt die Puppe, entscheidet sich für etwas Drittes: Sie ruft den Herbstwind, lässt sich in die Luft heben und fliegt davon. Vierzig Seiten später wird sie aus dem ewigen Eis der Tschuktschenhalbinsel zurückkehren, mit einem Strauß roter Nelken, zwei Bärenfellen, einer halbgegessenen Schüssel Himbeereis und einem Hemd am Leib, das sie unterwegs ausgepackt und gleich angezogen hat. Was dazwischen liegt, ist eines der eigensinnigsten Kinderbücher der späten DDR.
„Naseweis sucht Himbeereis“, erschienen 1983 im Verlag Junge Welt in Berlin, ist der erste Band einer Reihe, die Liesl Richter und Christine Klemke bis Ende der achtziger Jahre auf insgesamt sieben Bände bringen werden. Alle Titel reimen sich auf ‚eis‘: nach dem Himbeereis kamen Zuckermais, Hochzeitsreis, Blütenweiß, Hüpf im Kreis, Gletschereis und ein Singsangpreis. Spätere Bände hatten ausgestanzte Pappfiguren und Hampelmänner als Beilage; den ersten Band trägt allein die Erzählung. Die hier vorliegende Erstausgabe von 1983 ist sammlerisch der gesuchteste der Reihe, weil sie die Naseweis-Figur erfindet und festlegt.
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