Die Wildgrube von Bernd Wolff

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Die Wildgrube von Bernd Wolff

„Die weichgespülte Niedlichkeitsproduktion, wie sie der westdeutsche Massenmarkt damals lieferte, hätte hier nichts verloren gehabt.“

Diese Geschichte erzählt vom plötzlichen Erwachsenwerden, gezwungenerweise und durch einen schmerzhaften Prozess. Es geht hier nicht um heile Welt, sondern dem jugendlichen Leser wird durchaus einiges zugemutet – was nebenbei bemerkt, Lesern im Kindesalter in der DDR schon sehr früh geschah. Unfall, Verletzungen, plötzliche Abwesenheit der Eltern. Der 13-jährige Frederic muss mit seiner Sorge um die Eltern, seiner plötzlichen neuen Rolle klarkommen – und er tut es so gut er kann. Er stellt sich seine Verantwortung. Das Buch zeigt die Stationen seiner Bewältigung: Die Grube, Lehrer Merlin, der Jäger, die Klassenkameraden. Vielleicht ist es deshalb ein stiller Mutmacher für Kinder und Jugendliche: Schicksalsschläge können passieren – aber es gibt einen Weg der hindurch führt. Und genau das formt den Charakter tausendmal mehr als eitel Sonnenschein.  


Die Grube als Innenraum

Bernd Wolffs „Die Wildgrube“ (1988): ein Jugendroman, der seine eigene Zeit überlebt hat

Es ist die letzte Strecke einer langen Urlaubsfahrt. Der Vater singt im Auto, die kleine Schwester döst, der Sommer der Beskiden hängt noch in den Kleidern. Dann steht das Tier im Jungwuchs, dreißig Meter voraus, und springt. Mit diesem Aufprall, mit Glashagel, schlingerndem Wagen und der dumpfen Folge aus Krachen, Klirren, Knirschen und plötzlicher Stille, beginnt Bernd Wolffs Jugendroman „Die Wildgrube“, erschienen 1988 im Kinderbuchverlag Berlin. Eine letzte Aufnahme aus einem Land, das selbst kurz vor dem Aufprall stand.

Krachen, Klirren, Knirschen. Stille.“

— S. 6

Es klingt zuerst wie ein gewöhnlicher Initiationsroman. Junge erlebt Familienunfall, hält zu Hause die Stellung, ringt mit Trauer und Schuld, findet sich am Ende. So lasen das wahrscheinlich die meisten Zwölfjährigen 1988. Aber wer das Buch zu Ende liest, merkt: Das ist nicht das Buch, das Wolff geschrieben hat. Auf den letzten dreißig Seiten kippt es in eine ökologische Anklageschrift, wie sie der Kinderbuchverlag in seiner Geschichte nur selten zugelassen hat.

Ein Aufprall, der nichts heil lässt

Frederic, der Erzähler-Held, ist etwa dreizehn, als er aus dem Auto kriecht und seine kleine Schwester Susanne aus dem Wrack zieht. Er heult vor Verzweiflung, während er den bewusstlosen Vater hinter dem Lenkrad hervorzerren versucht, und kippt schließlich in seine eigene Ohnmacht. Wenig später liegt er im Krankenhaus, mit aufgeplatzter Lippe und dem dumpfen Gefühl, dass etwas Unwiederbringliches passiert ist. Die ersten Worte, die er nach dem Aufwachen formuliert, sind keine über sich selbst. Sondern eine Frage.

……


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Bibliografische Daten

FeldWert
TitelDie Wildgrube
AutorBernd Wolff
IllustratorThomas Binder
VerlagDer Kinderbuchverlag Berlin
Erscheinungsjahr1988
Auflage1. Auflage 1988
ISBN3-358-00360-4
Lizenznummer304-270/98/88
LSV7501
Bestell-Nr.632 877 3
DruckereiKarl-Marx-Werk Pößneck V 15/30
Altersempfehlung„Für Leser von 12 Jahren an“
EVP5,40 M

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