Dieses Buch besticht vor allem durch seine großformatigen und zahlreichen Farbillustrationen, was es für jedes Kind zu einer kurzweiligen Lektüre machen wird. Die Textmenge ist überschaubar, und es ist so geschrieben, dass es sich auch für größere Kinder im Vorschulalter eignet. Erich Gürtzig zeichnet bewusst in einer kindertypisch-naiven, fast comichaften Weise, das zur Zielgruppe passt und ihre Phantasie anregen wird.
Hier nun ein Auszug aus dem Feuilleton-Artikel:
Drei Sonnenstrahlen kitzeln Ennos Nase. „Hatschi!“ pruscht der junge Schäferhund, kriecht aus seiner Hütte, rekelt und schüttelt sich. Es ist ein Julimorgen 1981 in einem Dorf, das es nie gegeben hat. Hasenfelde, irgendwo zwischen Mecklenburg und Sachsen, wenig mehr als eine Hauptstraße, ein Konsum, ein Kindergarten, ein paar LPG-Felder und ein Polizeiwachtmeister mit Hund. Wer das Buch zum ersten Mal aufschlägt, merkt erst beim zweiten oder dritten Kapitel, was Dagmar Zipprich da eigentlich gebaut hat: einen einzigen Tag, von Sonnenaufgang bis ins nächtliche Gewitter, elf Episoden lang.
Das Buch beginnt mit Ennos Aufwachen und endet, als Leutnant Wächtler durchnasst zu umgestürzten Bäumen an die Straßenkreuzung gerufen wird. Dazwischen regelt er den Verkehr, holt einen Jungen aus einem Betonrohr, telefoniert im Konsum, bringt mit dem Bürgermeister einen toten Fuchs zum Tierarzt und trägt Parkbänke aus dem Bach. Sein Lieblingsessen, Nudeln und Tomatensoße, auf das er sich den ganzen Vormittag freut, bekommt er nie. Die elf Kapitel haben alle dieselbe Frageform als Überschrift: „Warum in Hasenfelde jeden Dienstag Kindertag ist“, „Warum der ABV den Dieb sausen lässt“, „Warum der ABV sich einmal dünn machen muss“. Wer sie nacheinander liest, merkt: Das ist keine lose Anekdotensammlung. Das ist ein Tagebogen.
„Drei Sonnenstrahlen kitzeln seine Nase. Hatschi! pruscht Enno.“
— S. 2
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