Taschenkalender für Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter 1973 (VKSK)

Du betrachtest gerade Taschenkalender für Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter 1973 (VKSK)

Taschenkalender für Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter 1973 (VKSK)

Auch dieses Büchlein hat mich wieder überrascht, denn es steckt viel mehr drin, als man auf den ersten Blick erwartet. Wir erfahren einen Einblick in die schon fast generalstabsmäßige und gesellschaftspolitische Einbeziehung der Kleingärtner in die Nahrungsversorgung der DDR. Unmissverständlich wird der Gärtner zur ständigen Ertragssteigerung bei Obst, Gemüse und Fleisch angespornt. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln erfolgt mit dem Denken der damaligen Zeit, erstaunlich bedenkenlos für hochtoxische Stoffe, die heute fast komplett verborten sind. Ein Schmankerl der Improvisationskunst ist die Anleitung für Reparaturen an der Wasserinstallation. Ich hätte nicht gedacht, dass man solche doch recht abenteuerliche Improvisationen mit behelfsmaterial aus dem Alltag in einem offiziellen Buch einer DDR-Organisation nachlesen kann – es zeigt anderseits dass man sich dem Mangel von Handwerkern und Material bewusst war. Hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand!


Auszug aus dem Feuilleton-Artikel:

Der geplante Garten

Zum „Taschenkalender für Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter 1973“, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1972

Es gibt in diesem Büchlein einen Satz, den man in einem Gartenratgeber nicht erwartet. Im Dezemberkapitel des Arbeitskalenders, mitten zwischen Hinweisen zur Lagerung von Wintergemüse, steht die Aufforderung, beim Entrümpeln der Laube ruhig „grob und unhöflich“ zu sein und sich von altem Gerümpel ohne Sentimentalität zu trennen. Wenige Dutzend Seiten zuvor hat dasselbe Heft, im trockenen Befehlston einer Verordnung, das Halten von Hauskatzen untersagt und für die Brombeere einen Mindestpflanzabstand auf den Zentimeter festgelegt. Zwischen diese beiden Tonlagen — die augenzwinkernd menschliche und die paragraphengenau normierende — passt eine ganze Gesellschaft. Der grüne Plastikband von 1972, kaum größer als eine Hand, ist eines der dichtesten Zeitdokumente, das die DDR im Taschenformat hervorgebracht hat.

Auf dem Umschlag steht nüchtern, worum es geht: Taschenkalender für Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, Jahrgang 1973. Herausgegeben hat ihn der Zentralvorstand des VKSK, gedruckt wurde er beim VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag in der Berliner Reinhardtstraße, in der Druckerei Tribüne, für zwei Mark, im strapazierfähigen Weichplastikeinband, der den feuchten Lauben und schmutzigen Jackentaschen eines ganzen Gartenjahres standhalten sollte. Solche Hefte wurden in enormen Auflagen gedruckt und nach Ablauf des Jahres meist weggeworfen. Gerade deshalb lohnt der zweite Blick: Was beiläufig gemeint war, verrät rückblickend oft mehr als das, was mit Bedacht formuliert wurde.

………

Der gesamte Artikel ist jetzt als PDF-Download erhältlich.

Es ist auch eine umfangreiche Tiefenanalyse der Texte als PDF-Download erhältlich.

Schreibe einen Kommentar