Wohnungs ABC – von Werner Hirte und Christine Hüber

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Wohnungs ABC – von Werner Hirte und Christine Hüber

Das tiefere Eintauchen in dieses Buch hat sich gelohnt. Ich erfahre Einblicke in die typische Lebenswelt von DDR-Haushalten somit ihren Wohnproblemen. Der Wohnraum war knapp. Jeder Quadratmeter sollte gut genutzt werden. Für uns heute schwer vorstellbar, dass es viele junge Familien mit Kind ohne eigenes Schlafzimmer gab. Die Schlafcouch machte das Wohnzimmer zum Schlafzimmer. Es gibt sogar DDR-Filme, wo genau diese Umstände szenisch festgehalten sind. Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich nicht mit Grundrissen und Anordnung von fertigen Möbeln, sondern mit der eigenen Reparatur und dem Selbstbau von Möbeln und der gesamten Einrichtung. Da Handwerker knapp waren und auch das Möbelangebot begrenzt zielte auch dieses Buch auf die „Hilf-dir-selbst“-Fähigkeiten des DDR-Bürgers.


Auszüge aus dem Feuilleton-Artikel:

FEUILLETON

Die Würde des Selbermachens

Zum Band „Wohnungs-ABC“ von Werner Hirte und Christine Hüber — Verlag für die Frau, Leipzig, 2. Auflage 1978

Eine Schublade klemmt. In der DDR der späten siebziger Jahre war das kein Anlass, zum nächsten Möbelhaus zu fahren — es gab dort ohnehin nichts zu kaufen, was passte. Stattdessen holte man das Buch aus dem Regal, das in tausenden Haushalten zwischen dem „Wir kochen gut“ und dem „Großen Konversationslexikon“ stand: das „Wohnungs-ABC“, herausgegeben vom Verlag für die Frau in Leipzig. Aufgeschlagen, gelesen, gebaut. So einfach war das. So ernst war das.

Werner Hirtes 295-seitiges Wohnratgeber-Lexikon ist ein ungewöhnliches Buch. Es lehrt seinen Lesern die Schwalbenschwanzzinkung neben dem Goldenen Schnitt, die Konstruktion eines Etagenbetts neben einer kleinen Farbpsychologie. Es behandelt die Drei-Generationen-Wohnung mit derselben Sachlichkeit wie das Verfurnieren einer Tischplatte. Und es tut all das in einer Sprache, die frei ist von ideologischen Phrasen — sachlich, präzise, mit gelegentlichen Aufblitzen von echter Wärme. Wer das Buch heute zur Hand nimmt, hält ein kleines Stück angewandter Kulturphilosophie aus der DDR in der Hand.

Der gesamte Feuilleton-Artikel ist jetzt als PDF-Download erhältlich:

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