In diesem Buch geht es nicht nur übers Wetter. Es geht um viel mehr, wenn man sich mit der Entwicklung der westlichen Zivilisation etwas auskennt. Genau dieser epochale Schritt vom unwissenden, ausgelieferten Wesen hin zu einer Person, die die Welt entschlüsselt hat und versteht, meint zu verstehen. Genau diesen Prozess bildet das Buch detailreich erklärt, aber auch üppig bebildert ab.
Das Wetter beeinflusst den Menschen schon immer auf die elementarste und physischste Weise, deshalb hatte er instinktiv schon seit jeher das Bedürfnis, ja den Zwang, sich in irgendeiner Form damit auseinanderzusetzen – das war zunächst nur über selbst erschaffene Mythen möglich. Doch schon die Griechen begannen, Wetterbeobachtungen systematisch zu sortieren und einzuordnen. Es sollte bis zum Zeitalter der Aufklärung dauern, als im Zuge der aufkeimenden Verwissenschaftlichung die Wetterphänomene Schritt für Schritt enträtselt und auf einer physikalischen Ebene verstanden wurden.
Eine faszinierende Reise vom Bewusstseinswandel der westlichen Zivilisation, die sich zwar unter Schmerzen, aber aus eigener Kraft emporhob. Sie macht verständlich warum und wie wir heute im Wetterverständnis und der Wettervorhersage dort angekommen sind, wo wir jetzt stehen. Sie regt an, über Dinge nachzudenken, die uns nur allzu selbstverständlich sind.
FEUILLETON
Was der Schulze für einen Teufel hielt
Hans-Günther Körbers Kulturgeschichte der Meteorologie, Edition Leipzig 1987
Im Februar 1784 findet der Dorfschulze von Sernow südlich von Luckenwalde im Schnee ein seltsames Wesen. Er hält es erst für ein liegendes Pferd, dann für den Teufel. Drei Tage später kehrt er mit Verstärkung zurück, schlägt darauf ein, riecht den austretenden Wasserstoff und ist überzeugt, der Böse habe ihn vergiftet. Zur selben Zeit, tausend Kilometer entfernt in Paris, misst Jacques Charles in 3467 Metern Höhe eine Temperatur von minus 8,75 Grad Celsius. Es ist die erste instrumentierte Messung der freien Atmosphäre. Hans-Günther Körbers 1987 in der Edition Leipzig erschienenes Buch „Vom Wetteraberglauben zur Wetterforschung“ erzählt diese beiden Momente fast in einem Atemzug und zeigt damit, dass sein eigener Titel falsch ist.
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