Daniel Druskat – Kapitel 2

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Daniel Druskat – Kapitel 2

Dieses zweite Kapitel zeichnet den Konflikt zwischen Druskat und Stephan durch tiefgründige psychologische Perspektiven und Rückblenden in die Vergangenheit. Ihre Charakterebenen werden dadurch vielschichtig und nuancenreich, auch widersprüchlich, sichtbar – was unter anderem die Qualität des Buches (und auch des Films) an sich ausmacht. Die Kollektivierungsphase in der Landwirtschaft der frühen DDR wird nicht als freudiges Hurra-Ereignis, sondern eher als oft schmutziges Machtspiel dargestellt. Der Konflikt zwischen beiden Männern eskaliert und spitzt sich zu, um in einer Schlägerei zu enden. Doch selbst hier bedient der Autor keine Western-Klischees, denn genau jener physische Gewaltausbruch endet ungewöhnlich.


Die Archäologie der Schuld

Helmut Sakowskis „Daniel Druskat“ – eine Wiederlektüre. Zweiter Teil einer fünfteiligen Reihe zum Roman, Verlag Neues Leben Berlin 1976.

Es gibt im zweiten Kapitel von Helmut Sakowskis „Daniel Druskat“ einen Moment, an dem ein alter Mann eine Weizenähre vom Halm reißt. Er reibt sie zwischen den Händen, bläst die Spelzen davon und schüttet sich die Körner in den Mund. Er kaut. Sie schmecken ihm nicht. Er spuckt sie aus. Drei Zeilen Prosa, ohne Erklärung. In diesen drei Zeilen steht der Kader Gustav Gomolla: ein Mann, der Hunger kennt, der Brot nicht wegwerfen kann und es trotzdem nicht mehr unbefangen ißt. So schreibt jemand, der weiß, daß Ideologie ein Körpergefühl ist.

Teil eins dieser Reihe endete mit der Eingangsszene des Romans: ein schwarzer Wolga, der in Altenstein einfährt, drei Männer am weißgekalkten Haus am Ortsende, der LPG-Vorsitzende Daniel Druskat, den sie abholen. Das erste Kapitel arbeitete von dort rückwärts, Schicht für Schicht, bis ins Frühjahr 1945. Kapitel 2 setzt das nicht fort. Es macht etwas anderes. Druskat selbst tritt darin kaum auf. An seiner Stelle erscheinen die anderen, einer nach dem anderen: die LPG-Kassiererin Hedwig Bohnert, der alte Kreissekretär Gomolla, der Rivale Max Stephan, dessen Frau Hilde. Jeder kennt einen Teil der Geschichte. Keiner kennt sie ganz.

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