In diesem Kapitel geht es um die Frage der Schuld, die zwischen Stephan und Daniel auf sehr vielschichtige Weise verhandelt wird. Auch zwei Frauen spielen eine tragende Rolle.
FEUILLETON — TEIL 3 VON 5
Was das Schweigen kostete
Helmut Sakowskis „Daniel Druskat“ – eine Wiederlektüre. Dritter Teil einer fünfteiligen Reihe zum Roman, Verlag Neues Leben Berlin 1976.
Eine steinerne Treppe, schmal und steil wie in alten Türmen, die Stufen zu Mulden ausgetreten. Sie führt zu den Amtsräumen der Staatsanwaltschaft im Gerichtsgebäude der Bezirksstadt. Daniel Druskat steigt sie hinauf, als wäre er einer von tausend, die vor ihm hier hinaufgegangen sind, Schuldige und Schuldlose, Gerechte und Ungerechte. Sakowski stellt die Frage und beantwortet sie nicht. Das Gebäude weiß nicht, welcher Druskat ist. Der Leser erfährt es im Lauf des Kapitels, in einer Bewegung zwischen Verhörraum und Erinnerung, die am Ende einen einzigen Satz übrig lässt: „Ich habe zu lange geschwiegen, das ist Schuld. Ich muss diese Schuld alleine tragen.“
Das Archiv im Kellergewölbe
Sakowski beginnt das Kapitel nicht mit Druskat, sondern mit dem Haus, in das er geführt wird. Bevor wir hören, was der Staatsanwalt fragt, lernen wir, in welchem Jahrhundert wir uns befinden: einem mecklenburgischen Klostergemäuer aus Backstein, in dem seit beinahe zweihundert Jahren zu Gericht gesessen wird. Im Namen der Großherzoge, später im Namen des Volkes, zur Weimarer Zeit ebenso wie unter den Nazis. Im Kellergewölbe lagern die Vernehmungsprotokolle und die Rechnungen der Scharfrichter.
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