Bronzezeit von Hermann Kant

Bronzezeit -Hermann Kant
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Bronzezeit von Hermann Kant

„Bronzezeit“ von Hermann Kant ist bemerkenswert, es ist ein kleiner literarischer Schatz der späten DDR. Die Gesamtzusammenhänge haben mich überrascht. Sie verbinden eine Gewisse Tragik, Machtstreben mit Humor und gut verpackter, dennoch bissiger Kritik an der Stagnation und irrwitziger, sozialistischer Bürokratie.


Heiner Müllers Urteil bringt es auf den Punkt: („die schärfste DDR-Satire der letzten Jahre“) und liefert den Legitimationshebel: Wenn Heiner Müller einem Funktionär wie Kant diese Einschätzung gibt, muss man das Buch ernst nehmen. Der rote Faden: Wie schreibt einer, der das System mitverwaltet, über eben dieses System? Die Antwort liegt in Kants Doppelstrategie — er greift nie den Sozialismus als Idee an, nur seine Verwalter, und zeigt damit, wie klug DDR-Satire aus dem Innern heraus funktionieren konnte. Die Spannung, die den Leser trägt: War das noch Staatsdienst oder schon verkappte Subversion?

Auszug aus dem Feuilleton:

Die schärfste Satire aus der Hand des Präsidenten

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Es gibt Sätze, an denen die Literatur einer ganzen Epoche kippt. Bei Hermann Kant lautet einer davon: „Das materielle Sein ist der Vorgesetzte und verantwortliche Leiter des Bewußtseins und damit basta!“ Das sagt, in der Erzählung Bronzezeit von 1986, ein Werkdirektor namens Scharrbowski, der gerade achtzehn Tonnen historischer Bronze zu Exportmedaillen einschmelzen lassen will. Der Satz ist Satire, Dialektik und Selbstentlarvung in einem — und er stammt aus der Feder des damaligen Präsidenten des DDR-Schriftstellerverbandes. Dieses Buch ist ein Rätsel: Wie konnte einer, der selbst Funktionär war, so über Funktionäre schreiben?

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