Ich kenne Erich Gürtzigs Illustrationen aus meiner Kindheit von einem Pappbilderbuch. Es ist verblüffend, wie man seine Art zu zeichnen wiedererkennt. Dieses Buch kannte ich bisher noch nicht, aber die Geschichte ist kindgerecht. Sie eignet sich hervorragend zum vorlesen und anschauen für kleinere Kinder. Die Zeichnungen sind sehr farbenfroh und ausdrucksstark. Die Geschichte ist drollig und hat auch ein kleines Happy End.
Auszüge aus dem Feuilleton-Artikel:
FEUILLETON
Der Storch, der keine Kinder bringt
Manfred Weinerts und Erich Gürtzigs Bilderbucherzählung „… und der Klapperstorch fängt Frösche“ (Der Kinderbuchverlag Berlin, 1974) – eine Aufklärungsgeschichte, die nie doziert
Ein Sommertag, hoch über einer Schafherde kreisen drei Störche. Dann stelzen sie durchs Gras und stoßen mit dem roten Schnabel zu, nicht nach einem Bündel mit Kind, sondern nach einem Frosch. Schon auf der ersten Seite tut dieses Bilderbuch, was sein Titel verspricht, und räumt dabei die älteste Notlüge der Erwachsenenwelt beiseite. Wer es aufschlägt, kommt in einen Sommer, in dem Kinder zusehen dürfen, wie das Leben wirklich anfängt.
Die drei Punkte am Titelanfang sind kein Druckfehler, sondern die halbe Pointe. Man muss den Satz nur zu Ende denken: Die Kinder kommen nicht vom Storch, und der Klapperstorch fängt Frösche. Was der Volksmund dem Vogel andichtete, dementiert hier der Vogel selbst, indem er einfach seiner Arbeit nachgeht. Weinert und Gürtzig legten 1974 im Kinderbuchverlag Berlin ein Buch vor, dessen aufklärerische Absicht schon auf dem Einband steht, ohne dass je das Wort Aufklärung fällt.
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